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Tour de l'Oisans et des Ecrins (TOE)

"Le Défi de l`Oisans"
180 km, 12.000 Höhenmeter, Nonstop

27.07.2011 bis 30.07.2011

Ich gebe es zu, so genau wusste ich auch nicht, wo ich das Oisans in den französischen Alpen lokalisieren sollte. Die Ausschreibung zum "Défi de l´ Oisans" (etwa mit " Herausforderung des Oisans-Gebirges" zu übersetzen) machte mich aber neugierig.

Das Gebiet befindet sich etwa 40 km Luftlinie südöstlich von Grenoble. Ein wildes und nur gering erschlossenes Gebiet in den französischen Alpen. Namen wie L’Alpe d’Huez kennt man als Etappenort und Bergwertung bei der Tour de France, von der Barre des Écrins, dem südlichsten Viertausender des Alpen, hatte ich auch schon gelesen. 

Les Deux Alpes

In Les Deux Alpes, einem bekannten Wintersportort, der insgesamt eher eine einzige, in den 1960er Jahren entstandene Bausünde auf 1.650 m darstellt, findet seit 1991 ein Etappenlauf statt. Dabei wird, in meist sechs Tagesetappen, das Oisans, überwiegend auf der Trasse des Wanderwegs GR 54 umrundet. Der Lauf heißt "Tour de l´Oisans et des Écrins" und ist in Deutschland bisher nahezu unbekannt gewesen. 

Aus Anlass des 20. Jubiläums dieses Laufes und als Ehrung für einen kürzlich verunglückten französischen Bergsteiger und Läufer, Laurent Smagghe, wurde der Lauf in 2011 erst- und einmalig als Nonstop-Veranstaltung ausgeschrieben.

Das Höhenprofil beeindruckt auch erfahrene Ultratrailer:

Bezogen auf den UTMB, ist der TOE zwar nur 14 km länger, allerdings sind statt der dortigen 9.500 hier 12.000 Höhenmeter in Auf- und Abstieg angesagt. Und, aber das war der Ausschreibung nicht so deutlich zu entnehmen, es sind technisch wirklich anspruchsvolle Singletrails zu laufen. Die Markierungen des dabei überwiegend genutzten GR 54 sind auf eine Begehung bei Tag ausgelegt und insgesamt recht sparsam. Der Veranstalter schrieb deshalb, neben den sonst in Frankreich bei Hochgebirgsläufen üblichen Pflichtausrüstungs-gegenständen, auch zwingend die Mitnahme eine GPS-Gerätes vor.

Wenige Wochen vor dem Start am 27.07.2011 wurde ein umfangreiches Roadbook mit detaillierten Wegbeschreibungen und Kartenausschnitten versandt. Die GPS-Daten wurden als Download zur Verfügung gestellt. Die Informationen und Aktualisierungen auf der Website des Veranstalters empfand ich als äußerst professionell.

Nach meiner Meldebestätigung war ich lange Zeit der Meinung, wieder einmal der einzige deutsche Teilnehmer bei einem französischen Lauf zu sein. Erst wenige Tage vor meiner Anreise meldete sich Uwe Herrmann bei mir. Er war ebenfalls angemeldet und wollte den TOE als letzten großen Vorbereitungslauf für den TdG im September nutzen.

Die Ausgabe der Startunterlagen und das Briefing der Läufer fand am 26.07.2011 im Start- und Zielort Les Deux Alpes statt. Eine Kontrolle der Pflichtausrüstung gab es dabei nicht. Die Größe der Laufrucksäcke am Starttag, dem 27.08.2011, ließ aber keinen Zweifel aufkommen, dass, aufgrund der unsicheren Wetterprognosen, wohl die allermeisten eher mehr als weniger eingepackt hatten. 

Vor dem Start mit Uwe Herrmann 

242 LäuferInnen
machen sich am Mittwoch kurz nach 08:00 h auf den Weg.

Der führt erstmal steile 700 hm hinunter nach Freney en Oisans,
eine erste Bewährungsprobe für die Oberschenkelmuskulatur 

An der anderen Talseite folgt sofort ein Anstieg von knapp 900 hm
auf den ersten Pass, den... 

...Col de Cluy (km 12,3) mit einer Getränkestation 

Auf und ab geht es insgesamt ohne Schwierigkeiten über den
Col de Sarenne nach Besse en Oisans (km 25,3) 

Beim Anstieg zum Col Nazié (1.901 m, km 27,8) und der Hochebene 

Plateau Emparis hat Regen eingesetzt 

Schlammpackung beim Abstieg von Les Terrasses nach La Grave 

Auf dem Weg zum Col d´Arsine 

Anstieg im Regen 

Nach der Passhöhe (2.355 m) des Col d`Arsine 

Nebel und Dämmerung beim Abstieg nach Le Casset (1.512 m) 

In Mônetier les Bains (km 64,9) befindet sich das erste von
vier "Base Vie" (Verpflegungsstellen mit Drop-Bag-Service).
Dort komme ich nach einer Laufzeit von ca. 13:10 h an.

Ich wechsle meine durchnässten Laufschuhe und ziehe mich für die Nacht um. Nach einer warmen Mahlzeit verlasse ich gegen 22:45 h das Base Vie und mache mich auf den Weg nach Vallouise (km 83,1), das ich über den Col de l´Eychauda (2.423 m) gegen 03:15 h erreiche.

Nach einer kalten Dusche schlafe ich ca. zwei Stunden und nehme ein Frühstück. Dabei unterhalte ich mich lange mit Axel Bücheler, der als mehrfacher Teilnehmer des Etappenlaufs, dieses Jahr als unermüdlicher und einziger Deutsch sprechender Helfer im Einsatz ist. 

Um 05:55 h am Donnerstag verlasse ich, nach einer Schlafpause
von ca. 2:00 h, das zweite Base Vie in Vallouise 

Der nächtliche Regen weicht einem zunächst sonnigen Tagesanfang 

Wegmarkierungen in den französischen Nationalfarben auf dem GR 54, der uns durch ein wildes Tal Richtung Col de l´Aup Martin führt 

Anstieg zum Col de l´Aup Martin (2.761 m) 

Nach dem Col geht es weiter zum Pas de la Cavale... 

... und anschließend knappe 900 m hinunter zum
Refuge du Pré de la Chaumette (1.805 m, km 108) mit
einer Getränkestation 

Der folgende Anstieg führt über drei weitere Pässe (höchster Punkt 2.607 m, Col de la Vallette) zum Refuge Xavier Blanc (2.271 m, km 125)

Unterbrochen von einigen Regenschauern ist es am Nachmittag überwiegend trocken. Ein langer Abstieg führt hinunuter nach
La Chapelle en Valgaudemar (1.090 m, 132 km) 

Im dortigen 3. Base Vie treffe ich, wie immer wieder während des TOE, auf bekannte Gesichter. Uwe Hermann macht sich gerade für den Weiterweg fertig, Chris Marolf (CH), den ich erst vor 3 Wochen beim TVSB gesehen habe und Beat Jegerlehner (USA) haben gerade eine Schlafpause eingelegt.
Im Bild rechts ist "Running Man" Jean-Pierre Lüthi (CH) zu sehen;
er hat an den 5 vorhergehenden Wochenenden jeweils einen Bergultra mit 100 oder mehr km gefinisht.

Nach einer ca. 3 1/2 stündigen Essens- und Schlafpause verlasse ich gegen Mitternacht das Base Vie.

Ca. 5 km geht es gemütlich im Tal dahin, bevor der Anstieg zum Refuge des Souffles beginnt. Es ist stockfinster. Nach dem Refuge folgt eine lange Traverse in Richtung Col de la Vaurze. Dichter Nebel und schmale Singletrails machen das Vorankommen nicht leicht. Das Streulicht der Stirnlampe verursacht im wabernden Nebel irritierende Effekte. Meine Konzentration steigt mit dem Adrenalinspiegel. 

Der Col de la Vaurze liegt über der Wolken- und Nebeldecke 

Diese beiden "Bénévoles" haben die Kontrollstelle am Col auf 2.500 m die ganze Nacht besetzt gehalten. Ihnen und allen ca. 70 weiteren Helfern kann nicht genug für ihr Engagement gedankt werden. 

Jemseits des Cols de la Vaurze tauchen wir wieder in die Wolken ein 

Auf dem Weg nach Le Désert (1.268 m, 152 km).
Dort befindet sich ein weiteres Ravitaillement 

Der nächste Antieg führt anstrengend und langwierig auf den
Col de Côte Belle (2.290 m). Danach geht es zunächst steil und schwierig, dann leichter werdend, zum vierten und letzten Base Vie in Valsenestre (1.300 m, 161 km). Dort treffe ich nach etwas über 52 h ein. Ich gönne mir eine warme Mahlzeit und ziehe nach über 36 h trockene Laufschuhe und frische Stümpfe aus meinem dort deponierten Drop-Bag an.

Der letzte große Pass, der Col de la Muzelle, liegt vor mir.
Auf eine Distanz von nur 6,5 km gilt es 1.300 Höhenmeter zu meistern, eine durschnittliche Steigung von 20 %. Das Roadbook beschreibt diesen Abschnitt als den technisch schwierigsten der gesamten Strecke. 

Während es zu Beginn des Anstiegs sonnig und heiß ist,
ziehen am Col (2.613 m) wieder Wolkenschwaden auf. 

Abwärts nach Le Bourg d´Aroud. Über das Refuge de la Muzelle geht es über eine Distanz von 14 km teilweise schwierig und kraftraubend
1750 Höhenmeter hinab ins Tal. Der Trail ist heftig, Geröll, felsige und steile Bergab-Passagen, teilweise mit Stufen, wechseln sich ab. Meine Oberschenkel werden steinhart und die Knie ächzen.

Laufen kann man hier nicht mehr wirklich gut.

Nach Le Bourg d`Aroud (930 m, 176 km) erwartet mich nur noch ein langer Anstieg mit einer Höhendifferenz von 725 m, bis das Ziel in Les Deux Alpes (180 km) erreicht ist.

Ein langweilige Runde führt noch einmal fast rund um den um diese Zeit nahezu menschenleeren Ort, bevor ich am Samstag um 21:05 h meine liebe Frau Margot im Ziel umarmen kann.

Dank des Hauptsponsor Raidlight erhält jeder Finsher eine hochwertige Weste in der Ultraleicht-Qualität, für die Raidlight bekannt ist. Mit den Startunterlagen hatte es schon ein hochwertiges Funktions-Shirt gegeben.

Ich war 60:40:10 h unterwegs, das reicht für Platz 109.
Die Finisherquote beträgt bei 163 Ankömmlingen und 242 Startern
ca. 67 Prozent. 

Axel Bücheler (rechts) ist am Sonntag Vormittag schon wieder
als Helfer im Einsatz. Links Patrick Laval.

Nach der Siegerehrung wurde zum Paella-Essen in den
Salle Amphibia in Les Deux Alpes geladen.

Von vielen Teilnehmern wurde während der Schlussveranstaltung der Wunsch geäußert, den TOE auch 2012 wieder als Nonstop-Lauf zu organisieren. Wenn ich die sehr zurückhaltende Reaktion der Veranstalter richtig interpretiere, wird es jedoch keine mit 2011 vergleichbare Wiederholung geben. Deshalb wird es 2012 wohl heißen:

Défi de l'Oisans en 8 étapes et 6 jours

Der TOE 2011 wird somit wohl nicht nur für mich ein einmaliges Erlebnis bleiben

Link zur Ergebnisliste